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Wir sind morgens gegen halb 8 hier in Ladysmith losgefahren und haben uns auf den Weg nach eShowe gemacht. Unser Heimleiter, den wir hier alle Dumeni (Afrikaans für Pfarrer) nennen, betreut noch weitere Projekte in der Region KwaZuluNatal und diese fährt er mindestens ein Mal im Monat besuchen. Da er aber eine starke Sehschwäche hat und deshalb nicht fahren darf, wurde Christoph zu seinem persönlichen Fahrer deklariert. Wir durften ebenfalls mitfahren, damit wir mal mehr von der Region sehen. Der Dumeni hatte unsere Route so abgeändert, dass wir über Pietermaritzburg und Durban nach eShowe gefahren sind. Wir haben uns sehr gefreut, da wir dadurch kurz an den Strand durften. Hier sollten nun eigentlich ein paar Photos vom Strand in Durban kommen, nur leider wurde uns vom einem der Kinder meine Kamera samt Speicherkarte geklaut. Aus diesem Grund müsst ihr wohl mit folgenden Fotos von Christophs Kamera vorlieb nehmen!

Ihr fehlt mir.

Das Meer war einfach wunderschön an diesem Tag.

Gegen zwei Uhr sind wir dann in eShowe angekommen und hatten das erste Mal im vergangenen Monat das Gefühl, wirklich in Afrika angekommen zu sein. Das Kinderheim liegt etwas außerhalb von eShowe mitten im Nichts, sodass die Autofahrt die letzten 10 Minuten eher abenteuerlich war. Generell sind die Straßen in einem überraschend guten Zustand, sodass es unsere erste längere Fahrt über eine unbefestigte Straße war – dementsprechend lustig war es auch, zumal ich leider keinen Anschnaller hatte und mir große Mühe geben musste, nicht die Autodecke von unserem VW-Golf zu küssen.

Die „Straße“

Der Ausblick vom Gelände des Kinderheims in eShowe. Es ist einfach wunderschön dort und man ist immer von dieser atemberaubenden Stille umgeben, die es nur auf dem Land gibt!

Im Kinderheim angekommen haben wir uns sofort wohl gefühlt – und das, obwohl die Kinder uns mit riesigen Augen angestarrt und zu Beginn auch kein Wort gesagt haben. Wir haben uns zwar schnell mit ihnen angefreundet, aber es war trotz allem ein großer Kontrast zu „unserem“ Kinderheim in Ladysmith, wo wir von den Kindern sofort mit stürmischen Umarmungen und tausenden von Fragen empfangen worden waren. Doch im Gegensatz dazu sprechen die Kinder in eShowe bis auf ein paar Brocken Englisch nur Zulu und manche haben möglicherweise zum ersten Mal in ihrem Leben mehrere Weiße auf einmal gesehen. Es gibt nur schwarze Kinder in diesem Kinderheim und alle dreißig Kinder sind Vollwaisen – das ist die Bedingung zur Aufnahme, welche durch die Unterstützer des Kinderheims gestellt wurde. Mal abgesehen von der atemberaubenden Landschaft und der Stille, die das Gelände umgibt, hatten wir zum ersten Mal die Gelegenheit in die Zulu-Kultur einzutauchen. Bei unserer Ankunft gab es sofort Tee und Sandwiches. Es ist üblich, die Gäste zuerst essen zu lassen (und sich dabei in einem anderen Raum aufzuhalten), damit sie sich satt essen können. Das, was übrig bleibt, wird dann vom Gastgeber selbst gegessen. Dann haben wir mit den Kindern gespielt, was unglaublich schön war! Die Kinder hier können (im Gegensatz zu den Kindern in Ladysmith) nämlich wunderbar miteinander spielen. Es wird gesungen, geklatscht, getanzt und viel gelacht – trotz der Sprachbarriere konnten und durften wir sofort mitspielen! Da es nur 30 Kinder gibt, ist der Zusammenhalt zwischen den Kindern sehr groß und die größeren Kinder kümmern sich wie große Geschwister sehr rührend um die Kleineren!

Melle und ich wollten uns um halb vier nur „kurz“ hinlegen. Aus der geplanten halben Stunde wurden dann zweieinhalb Stunden und wir wurden sehr unsanft durch helles Licht und eine Horde Kinder geweckt. Meine anfänglich schlechte Laune hat sich aber ganz schnell gelegt, als wir zum Beten in den Gemeinschaftsraum kamen und erstmal von mehrstimmigem Gesang auf Zulu begrüßt wurden. Diese Kinder haben einfach ein beeindruckendes Gespür für Gesang und Rhythmus! Jedes Kind scheint seine Tonlage zu wissen, sodass das gleiche Lied quasi mehrstimmig gesungen wird. Zudem bauen einzelne Kinder, die besonders gut singen können, zwischendurch kleine Soli ein. Nach einer „kurzen“ Predigt durch den Dumeni und das anschließende Abendgebet gab es ein sehr großes Abendessen mit vielen verschiedenen Gerichten, die wir nicht kannten und deren Namen wir immer noch nicht kennen. Sagen wir so: das Rote, was wir für Tomatenwürfel gehalten hatten, war entweder etwas anderes oder EXTREM scharf gewürzt. Ich musste dreimal Reis nachnehmen, weil ich zu jedem großen Löffel Reis nur ein winziges Bisschen des scharfen Zeugs nehmen konnte.

Anschließend haben wir zu dritt in Melle und meinem Zimmer rumgeblödelt, während der Dumeni sein Meeting mit der Managerin Lindile hatte. Lindile hat eine Form von chronischer Tuberkulose und war erst an diesem Tag aus dem Krankenhaus zurückgekehrt. Dementsprechend war die überraschend junge und zierliche Frau noch geschwächt, hatte jedoch trotzdem immer ein Lächeln auf den Lippen. Am nächsten Morgen sind wir dann um 7 Uhr wieder abgereist, allerdings nicht ohne ein Lunchpaket, dass für die nächsten drei Tage gereicht hätte. Wir werden auf jeden Fall wieder dorthin zurückkehren und jeder von uns wird einen Monat dort verbringen, um Zulu zu lernen!

Ein letzter Ausblick auf die Umgebung des Kinderheims

Unsere Autofahrt auf dem Rückweg verlief dann nicht so ruhig wie die Vorherige. Bei dem Versuch, einen LKW zu überholen, kam uns ein ziemlich schnelles blaues Auto entgegen. Obwohl auf südafrikanischen Straße locker drei – normale – Autos nebeneinander passen, hielt der andere es nicht für nötig ein wenig auszuweichen, sodass wir beinahe einen Frontalcrash hatten. Ich war kurz vor dem Nervenzusammenbruch (kein Anschnaller!), obwohl uns das auch nicht viel gebracht hätte, da es in dem Auto keine Nackenstützen gibt. Gott sei Dank haben wir es noch rechtzeitig geschafft, vor dem LKW einzuscheren und haben zum ersten Mal verstanden, wieso der Dumeni mit uns vor jeder Fahrt beten wollte. Netterweise wurde aber an der nächsten Tankstelle mein Anschnaller gerichtet, sodass mein Puls sich wieder etwas beruhigte. Kurze Zeit später sind wir dann in eine Polizeikontrolle geraten. Uns wurde allen etwas warm als wir Christophs Papiere nicht finden konnten und Christoph hat den Polizisten erst einmal eine Weile mit Smalltalk hingehalten während ich unter dem Vordersitz rumgekramt habe, wo der Führerschein hätte sein sollen. Im Gegensatz zur deutschen Polizei vermutete der südafrikanische Beamte nicht sofort eine Waffe unter dem Vordersitz sondern erzählte uns ausführlichst von seinem unglaublich anstrengenden Tag mit den vielen vielen Autos auf den Straßen. Dann bat er uns darum, hinter einem Minibus anzuhalten damit sein Kollege unsere Daten im System überprüfen könnte. Mittlerweile war uns auch wieder eingefallen, dass ich den Pass und den deutschen Führerschein am Tag zuvor in meinen Koffer gepackt hatte, damit sie auf keinen Fall wegkommen (haha) – der internationale Führerschein blieb erstmal verschwunden (Melle hat ihn dann später zwischen einer Menge Flyer wiedergefunden). Daraufhin sagte Christoph dem neuen Beamten, er müsse erst seine Sachen aus dem Kofferraum holen und schaltete das Auto ab. Vollkommen auf den Polizisten fixiert hörte er Melles „Wir rollen, wir rollen, WIR ROLLEN!“ und mein hysterisches „Brems, brems, BREMS!“ leider erst, als wir schon hinten auf dem Minibus draufhingen. Jeder halbwegs normale deutsche Beamte hätte einen höflich dazu aufgefordert, doch bitte in das Auto mit dem hübschen blauen Streifen einzusteigen. Nicht so der südafrikanische Beamte: der sah sich das Ganze kurz an und meinte dann ackselzuckend: „Nichts passiert, setz mal wieder ein Stück zurück!“ Beim Anblick von Christophs Führerschein kam dann „Mit dir können wir eh nichts anfangen, deine Nummer ist eh nicht in unserer Datei drin“ und wir durften weiterfahren.Danach haben wir bestimmt 10 Minuten lang hysterisch gelacht und besonders Christoph war unglaublich froh, als wir endlich in Newcastle ankamen!! (Er darf den Dumeni übrigens trotz allem noch fahren xD)

Ein Beispiel für eine typische südafrikanische Landstraße, die meist sehr gut erhalten sind.

Eine typische südafrikanische ländliche Gegend. Die Häuser liegen meist sehr weit auseinander, sodass es kein wirkliches „Dorf“ gibt. Jede Familie hat dort meist ein oder zwei Kühe, Schafe oder Ziegen und ein kleines Gärtchen, wovon sie sich ernähren.

So sieht das südafrikanische Elektrizitätsnetz aus. Es wird immer mal hier, mal dort ein bisschen Strom abgezapft, was meist auch nicht weiter aufzufallen scheint. Verglichen zu den Townships ist das oben aber ein lächerliches Beispiel. Dort sieht man meist noch nichtmal mehr den Himmel vor lauter illegalen Kabeln.

„Abnormal“- das trifft auch häufig auf das Verhalten im Straßenverkehr zu! (Man beachte die nicht gesicherte Ladung des LKW's im Hintergrund.)

In Newcastle haben wir als Erstes die Teenager-Unit angeschaut und waren ziemlich schockiert. Gerade nach der liebevollen und gastfreundlichen Begrüßung in eShowe war die Art, mit der wir willkommen geheißen wurden, eher schroff. Nachdem wir zu Mittag gegessen hatten, durften wir eigenständig auf „Entdeckungstour“ gehen (da keiner auftauchte, der uns hätte rumführen können). Die Kinder waren zu der Zeit noch in der Schule, weshalb wir auch Niemanden hatten, mit dem wir uns hätten unterhalten können. Es war sehr schnell klar, dass in diesem Kinderheim vermutlich ein paar andere Regeln herrschen. Keines der Mehrbettzimmer (mindestens 4, maximal 8 Betten) hatte eine Tür und die Zimmer waren nach oben hin offen, Privatssphäre ist dort also anscheinend ein Fremdwort. Die Kinder hatten statt Schränken einen etwas größeren Spind mit einem Vorhängeschloss auf dem Gang und das Gemeinschaftsbad mit 2 Duschen und 4 Toiletten war in einem miserablen Zustand!! Jungen und Mädchen waren selbstverständlich wieder getrennt untergebracht. Da einige der Kinder im Kinderheim eine (wenn auch verbotene) Beziehung führen, ist das auch sehr sinnvoll. Nachdem wir die folgenden drei Stunden mit Nichtstun verbracht hatten, ging es endlich in Richtung Babyunit weiter.

Bei der Babyunit handelt es sich um ein normales Wohnhaus, in dem sich vier sehr junge Betreuerinnen (Durchschnittsalter 25 Jahre) unterstützt durch die Gründerin des Projekts um sechs Babies im Alter von sechs Monaten bis anderthalb Jahren kümmern. Es war das erste Projekt, wo man das Gefühl hatte, dass die Kinder wirklich perfekt betreut werden. Natürlich geben sich die Leute in allen Projekten Mühe, aber meist sind es einfach zu viele Kinder für eine Tannie und die räumlichen Voraussetzungen sind alles andere als ideal – nicht so in diesem Projekt. Die Kinder kommen in dieses Haus, weil Familienmitglieder sie abgeben, sie im Krankenhaus zurückgelassen werden oder man sie in einem Mülleimer gefunden hatte. Manche der Kinder sind durch Vergewaltigungen entstanden, weshalb die Mütter sie nicht behalten wollen. Eines der Kinder war sogar hergebracht wurden, weil es mit seinem 11-jährigen Bruder zurückgelassen worden war. Das Ziel des Projekts ist es, Adoptiv- oder Pflegeeltern für die Kinder zu finden.

In diesem Projekt gab es zum ersten Mal eine Situation, die mir richtig unter die Haut gegangen ist. Ich hatte ein kleines wunderschönes Mädchen auf dem Schoß, dass sehr kuschelig war und nie gelächelt hat. Als es Kekse gab, hat dieses kleine Ding doch tatsächlich 8 ganze Kekse in sich reingeschaufelt. Die Gründerin des Projekts hat uns dann erzählt, dass das Mädchen zwei Wochen zuvor verdreckt und abgemagert von der Großmutter abgegeben worden war und sie vermutet, dass es lange Zeit nicht genug zu essen bekommen hatte. Es war einfach herzzereißend zu sehen, wie die Kleine einen Keks nach dem anderen in sich reinstopfte und jedes Mal erbärmlich anfing zu schreien, wenn sie keinen mehr hatte. Im Endeffekt hat sie auch noch meine drei Kekse gegessen. Sie vertraute mir zwar soweit, dass ich von den Keksen auch abbeißen durfte, aber sie musste ihn in ihrer kleinen Hand halten. Doch das Traurigste war, als es keine Kekse mehr gab. Ich hatte in meiner Hand alle Krümel aufgefangen, damit der Boden nicht dreckig wird – die Kleine hat mir alle Krümel aus der Hand gegessen, jeden noch so winzigen Krümel und unglaublich darunter gelitten hat, dass es nichts mehr zu Essen gab. Irgendwie hatten wir sehr schnell ein recht enges Band geknüpft und so bin ich die nächsten zwei Stunden mit dem Kind auf dem Arm rumgelaufen. Sobald ich sie absetzen oder jemand Anderem geben wollte, fing sie wieder furchtbar an zu schreien. Selbst als wir mit den Betreuerinnen rumgeblödelt, getanzt und gesungen haben, war sie immer auf meinem Arm und hat sich in meiner Halsbeuge versteckt. (Ja, ich habe mich in die Kleine verliebt!) Der schlimmste Moment war der Abschied! Zwar können wir rein theoretisch auch in diesem Kinderheim einige Zeit verbringen, aber es ist schlecht für das Kind wenn es sich zu sehr an eine Betreuerin bindet. Die Kleine hat einfach nur wie am Spieß geschrien als wir gegangen sind und ich hätte sie am liebsten mitgenommen!

„Mein“ Baby und ich😉

Mittlerweile wurde es schon dunkel, aber wir mussten aufgrund einer Krise nochmal zur Teenager-Unit fahren. Am Nachmittag war einer der älteren Jungen aus dem Kinderheim rausgeflogen, den wir wieder mit zurück nach Ladysmith nehmen sollten, wo seine Familie lebt. (Dieser hat vermutlich auch meine Kamera geklaut.) Zudem war eine der Beziehungen aufgeflogen, weshalb das Paar vor die Wahl gestellt wurde: entweder der Junge oder das Mädchen geht. Es war der Junge, der gehen musste und so hat sich Melle wirklich rührend um das zurückgelassene Mädchen gekümmert. Dabei haben wir rausgefunden, dass sie die große Schwester von mehreren Kindern aus „unserem“ Kinderheim ist. Generell gibt es viele Kinder in der Teenager-Unit, die ihre kleinen Geschwister bei uns zurücklassen mussten. Wird man für unser Kinderheim zu alt oder braucht eine spezielle Schule aufgrund von Lernstörungen, so wird man normalerweise nach Newcastle „versetzt“, weil dort die schulischen Möglichkeiten besser sind. Aus familiären Gründen und auch aufgrund begrenzter Platzkapazitäten gibt es aber auch bei uns auf dem Gelände zwei Teenager-Häuser. Gegen 19 Uhr war die Krise endlich soweit beseitigt, dass wir abfahren konnten. Von Newcastle aus dauert es circa anderthalb Stunden bis Ladysmith, wobei wir die meiste Zeit mit Fernlicht fahren mussten, da Straßenlaternen für Landstraßen hier noch nicht erfunden wurden. Blöd war nur, dass der Gegenverkehr im Gegensatz zu uns nicht so rücksichtsvoll war und sein Fernlicht ausmachte wenn ihnen jemand entgegenkam, sodass wir dann immer für kurze Zeit blind durch die Gegend fuhren. Am Ende waren wir sehr froh, endlich wieder „Zuhause“ anzukommen.

Die beiden Tage waren einfach wunderschön, weil wir endlich mal rauskamen! Da wir immer noch keinen Schlüssel für das Tor zum Kinderheim haben, müssen wir immer um den Schlüssel bitten, wenn wir das Gelände verlassen. Dadurch kommt man sich ziemlich eingesperrt vor, zumal es in Ladysmith verhältnismäßig sicher ist und man in einer größeren Gruppe so ziemlich überall hingehen kann. Deshalb waren wir Nellie also sehr dankbar, dass sie uns erlaubt hatte auf diesen Kurztrip mitzufahren und wir freuen uns schon auf unseren nächsten Aufenthalt in eShowe und Newcastle. Ich hoffe, dass es euch allen gut geht. Ich denke an euch!

Weiter Eindrücke

Montag Morgens mussten wir gleich um acht Uhr zum Sandwiches schmieren in der Küche antanzen. Unser Kinderheim ist trotz allem auch noch in andere soziale Projekte mit eingebunden, weshalb wir seitdem jeden Montag Morgen circa 30 Packungen Toast mit einem widerlichen Mix aus Erdnussbutter, Marmelade und Magarine beschmieren. Diese werden dann am Tag darauf zu einer etwas ärmeren Schule in der Umgebung gefahren und an die Kinder dort verteilt. Wenn man vorher im „Restaurant Dietrich’s“ (übrigens ein sehr gutes Restaurant!🙂 ) gearbeitet hat und die dortigen Hygienestandards gewohnt ist, dann fällt man anhand des Zustands dieser Küche erstmal in Ohnmacht. Unser absolutes Highlight war, als eines Morgens die Kiste mit den schon fertigen Sandwiches umgefallen ist und das ganze Brot auf dem Boden landete – wo am Tag zuvor noch die drei Hunde lagen und mit Sicherheit NICHT zwischendurch gewischt wurde. Trotz allem wurden die Sandwiches einfach wieder in die Kiste reingestapelt…Generell ist Hygiene hier ein sehr zwiespältiges Thema. Während die Küche nicht gerade den Sauberkeitsorden verdient, so müssen (zumindest die kleinen Kinder) morgens und abends baden und die Kinder finden es komisch, wenn wir den ganzen Tag lang das gleiche T-shirt anhaben. Bei dem Sohn unserer direkten Nachbarin aus Haus Nr. 6 ist das allerdings verständlich. Der Kleine spielt am liebsten im Blumenbeet, hat immer irgendwas um den Mund geschmiert und lässt für eine leere Klopapierrolle oder Flasche alles Spielzeug dieser Welt stehen und liegen. Er scheint nur glücklich zu sein wenn er so dreckig ist, dass seine Mutter ihn zwei Mal täglich komplett umziehen muss – da fragt man sich doch, wieso sie es überhaupt noch tut.

Ansonsten war die Woche vom 29. August bis zum 4. September unsere erste „offizielle“ Arbeitswoche. Zu Beginn sollte ich morgens von 9 bis um 11 in der Preschool aushelfen, während Melanie sich in der Zeit im Babyhaus aufhielt.

Melle und ein paar der „Babies“

Schon bald wurde aber klar, dass Freda, die Lehrerin, meine Hilfe zwar gerne annimmt, aber eigentlich nicht benötigt. Deshalb werde ich seitdem auch zwei bis drei Mal die Woche im Office eingesetzt, wo ich dann Ersatzfrau für die Sekretärin spiele. Nachmittags sollte ich dann die Hausaufgabenhilfe in der Bibliothek leiten. Die Kinder müssen sich dafür in eine Liste eintragen, wo sie ihr Thema reinschreiben. Hierbei werden aber nur diejenigen Kinder angesprochen, die Informationen aus dem Internet brauchen oder etwas am Computer abtippen müssen. Gerade am Anfang war der Andrang aber SO groß, dass Melle und teilweise sogar noch Christoph mir helfen mussten. Das ganze Konzept „Hausaufgabenbetreuung“ hat besonders zu Beginn stark an unseren Nerven gezerrt, denn bis auf wenige Ausnahmen wissen die Kinder noch nicht mal, wie man einen Text kopiert und in ein Worddokument einfügt! Deshalb haben wir in unserer zweiten Woche ein Konzeptblatt gemacht, wo die wichtigsten Computerregeln draufstehen. Beispielsweise haben wir versucht zu erklären, dass „google“ wohl kein Ergebnis finden wird, wenn man einfach seine gesamte Fragestellung („Erklären Sie anhand der oben genannten Beispiele den ‚Greenhouse effect‘ “) eintippt und dann auf „Enter“ drückt. Die nächsten Wochen werden wir auch mit einem Zehnfinger-Tippkurs beginnen, da wir sonst für jeden einzelnen Schüler mit einer Zeitspanne von einer Stunde rechnen müssen. Lustig war auch, dass sich die eine Tannie total über unser Regelblatt gefreut hat, weil sie das alles selbst nicht kann, obwohl sie einen Laptop hat.

In diesen zwei Wochen haben wir auch zum ersten Mal „relief work“ gemacht. Sowohl im Baby- als auch im Toddlerhaus gibt es immer eine schwarze und eine weiße Tannie, damit die Kinder sowohl Afrikaans als auch Zulu sprechen lernen. Wenn eine dieser Tannies nun für drei Tage frei hat, übernehmen wir drei ihre Schicht. Der Zeitraum von morgens 6.45 Uhr bis 8.00 Uhr und dann von 12.00 Uhr bis 19.00 Uhr gilt hier als eine Schicht.

Einer der wenigen Momente, wo wir am Anfang mit den „Babies“ rausdurften. Die Zulu sind schon beim kleinsten bisschen Wind und generell bei Temperaturen unter 25° C der Meinung, dass es für die Kinderchen draußen zu kalt sei.

Richtig süßes Kind aus der Babyunit mit unglaublichen Lippen – hierbei handelt es sich um den Sohn einer Teenie-Mama, die momentan noch in der Teenager-Unit im Kinderheim „Morester“ in Newcastle lebt.

Allabendliche Fernsehzeit – wer findet mich? (Am Anfang durften wir die Kinder auch nicht auf den Schoß nehmen, denn das würde uns müde machen und wäre zu viel für uns...???)

Unser anderthalb Monate altes Schnuckelchen, dass sein Köpfchen schon alleine halten kann. Das liegt allerdings daran, dass die zulustämmige Tannie ihn zum Baden einfach in die große Wanne legt, an einem Arm in eine annähernd aufrechte Position zieht und dann mit der Seife über das ganze Baby schrubbt – auch über das Gesicht und die noch nicht geschlossene Fontanelle! Außerdem dürfen wir das Baby ebenfalls nicht so häufig halten, weil es seine Liebe angeblich schon beim Waschen, Wickeln und Füttern bekommt!

 

Die ersten drei Tage „relief work“ im Babyhaus hat Melle noch beinahe komplett alleine übernommen, aber dann wurde schnell klar, dass das ziemlich an den Kräften zerrt. Deshalb haben wir die „relief work“ in der Toddler-Unit alle zusammen übernommen – zum Glück, wie sich ganz schnell herausstellte! Besonders zu Beginn war der Kontrast zwischen den süßen, kleinen Babies und den nicht mehr so kleinen, nicht so süßen Toddlern unglaublich stark! Ich denke, dass wir alle dieses Haus am liebsten gegen eins der pubertierenden Teenagerhäuser umgetauscht hätten. Da pinkelt oder sch**** der eine in das Bett des anderen, das Baden war am Anfang einfach nur eine Qual (6 Kinder fühlten sich an wie mindestens 12) und die Durchschnittslautstärke war einfach ohrenbetäubend. Am Ende dieser drei Tage waren wir heilfroh, wieder „relief work“ im Babyhaus machen zu „dürfen“.

In diesen beiden Wochen haben wir auch zum ersten Mal mit den Kindern jongliert. Genauergesagt hatten wir angefangen vor dem Haus zu jonglieren: Melle als Profi mit 4 Bällen, Christoph immerhin schon mit 3 Bällen und ich war hauptsächlich damit beschäftigt, die blöden Dinger wieder vom Boden aufzusammeln. Schnell waren wir von den Kindern umringt und einige haben sich auf Anhieb sehr gut angestellt.

Christoph gibt Anweisungen, wie man es am Einfachsten erlernt.

 

Am Anfang zu cool für alles, dann aber auf einmal begeistert (und außerordentlich talentiert). Das Outfit ist allerdings ziemlich gewöhnungsbedürftig!

 

Ab und zu hatten wir in dieser Woche dann auch „kinderfreie“ Zeit. Die haben wir einmal genutzt, um etwas auf dem Trampolin rumzualbern. Fast jedes Kind kann hier Vorwärts- und Rückwärtssaltos und da mussten wir es doch auch mal versuchen. Das mit den Saltos hat zwar nicht so gut funktioniert, aber dafür kamen ein paar Wilhelmshavenerinnerungen hoch und deshalb hiermit ganz ganz liebe Grüße und Küsse an Passi, Rebbi, Roland und Jörn!

Ihr fehlt mir! Schön, dass es euch gibt!

  Am Sonntag waren wir beide Male in der Afrikaanskirche. Im Gegensatz zur Zulukirche war die Afrikaanskirche ziemlich langweilig. Es fing noch ganz gut an, da die erste Viertelstunde nur gesungen wird, was ziemlich Spaß macht. Doch leider geht es dann jeweils mit einer sehr langen Predigt weiter, die natürlich auf Afrikaans gehalten wird. Mal davon abgesehen, dass man aufgrund der Geschwindigkeit so gut wie nichts versteht, verstehe ich jetzt, wieso die Leute bei Schweizerdeutsch immer so anfangen zu lachen. Afrikaans ist wirklich eine lustige Sprache – zumindest für uns! Die jüngeren Kinder gehen dann nach der Kirche noch in die Sonntagsschule. Insgesamt ähnelt das Ganze den deutschen Kirchen ziemlich stark, auch wenn der Altersdurchschnit ungefähr 20 Jahre niedriger ist.

Die Kinderheim-Mädels – aus irgendeinem Grund sitzen unsere Jungs und Mädchen in der Kirche immer getrennt. Außerdem machen unsere Kinder meist ein Viertel aller Kirchenbesucher aus!

 

Auch wenn der Beamer mit dem Liedtext recht stillos ist, hat er uns sehr beim Mitsingen und der Verbesserung unseres (nicht vorhandenen) Afrikaans geholfen. Jetzt kann ich zumindest einen Text lesen ohne die Betonung total zu vermasseln.

 

Wir drei🙂 Die Kinder waren am Anfang fest davon überzeugt, dass wir entweder verheiratet oder Geschwister oder zumindest von klein auf befreundet sind. Obwohl das nicht stimmt, ist es schön, dass wir uns so gut verstehen und das wohl auch ausstrahlen

 

Am zweiten Samstag sind wir dann nur mit in die Afrikaanskirche gegangen, weil an diesem Tag dass erste WM-Rugbyspiel von Südafrika war und diese Kirche am Kürzesten dauert. Rugby spielt hier ungefähr die gleiche Rolle wie Fußball bei uns in Deutschland. Mir gefällt es eigentlich ganz gut, auch wenn ich das Spiel bis jetzt nicht wirklich verstanden habe. Ein Haufen (nicht so hübscher) Schränke prügelt sich um einen Ball, man darf nur nach hinten abspielen und zwischendurch machen sie diverse Hebeübungen – auch Einwurf genannt. Die Begeisterung ist überall zu spüren, vor allem bei der weißen und der Coloured-Bevölkerung. Die Zulukids schauen aus irgendeinem Grund immer nur die ersten Halbzeit und verschwinden dann. Jeden Freitag ist „Support-your-Team“-Tag, wo alle Tannies, alle Officemitarbeiter und viele der Kinder die grünen Rugbyshirts tragen – wir natürlich auch.

Schnelles Frühstück in unserer Küche, bevor es ab zu Haus Nummer 6 ging, um das Spiel zu schauen – die tollen Shirts hatten wir natürlich den ganzen Tag an!

Schön war auch der eine Freitagabend, an dem wir mit den Jungs aus Haus Nr. 6 bei uns vor dem Haus saßen und Musik gehört und gesungen haben. Christoph hat Gitarre gespielt und wir haben „Price Tag“ und Lieder von Philipp Poisel gesungen. Außerdem haben ein paar der Zulujungs das Lied „Lollipop“ von Lil Wayne gerappt, währen Christoph sie auf der Gitarre begleitet hat. Dazu muss man sagen, dass ein paar von ihnen es wirklich gut können. Jedesmal, wenn man einen der Jungs fragt, von wem seine Handymusik gerade ist, dann kommt die Antwort: „Ach, dass ist von einem aus meinem Haus.“ Ausnahmsweise durften sie an diesem Abend bis um 22 Uhr draußen bleiben. Um Punkt zehn stand Tannie Petro dann in der Tür und rief „Come in!“ – und schon waren alle Kinder wie vom Erdboden verschluckt. Kein „Nur noch 5 Minuten“ oder Ähnliches – würde ich mich bei dieser Tannie aber auch nicht trauen, obwohl wir sie sehr gerne haben.

Hiermit ist dieser Eintrag auch schon wieder zu Ende, aber ein paar Grüße dürfen dieses Mal trotzdem nicht fehlen!

Tausend Grüße und Küsse an alle, die diesen Blog lesen. Schön, dass ihr mich begleitet!

Kusinchen: Du darfst meinen Pulli zwischendurch auch mal ausziehen – ich bin trotzdem bei dir!

Schwesterherz: Ich bin unglaublich stolz auf dich und du fehlst mir ganz doll!

Fynn: Ich hab dich sehr sehr doll lieb und freu mich schon, wenn wir wieder zusammen Comics lesen können!

Mami: I ha de hueregärn, bisch nes super Mami! Nummä no zäh Monate😛

Daddy: Ich freu mich schon, wenn du im Januar hier rüber kommst! Kuss nach Deutschland!

Omi: Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, bis jetzt bin ich noch keinen menschenfressenden Löwen begegnet und es gibt ganz viele Leute, die an deiner Stelle auf mich aufpassen! Du fehlst mir!

Grosi: Bis jitzt si mer no nit wandere gsi, aber das würd bestimmt no! I mach de ganz vieli photeli für di! Ha de gern!

Ätti: Ich würde gerne mit dir über die ganzen politischen und soziokulturellen Unterschiede diskutieren – und natürlich deinen Bart kraulen und mir meine drei Küsschen abholen!

Vio: Hier habe ich zwar auch nette Nachbarn, aber so wie du sind sie trotzdem nicht! Bisous!

 

Jörn: Muss ich dazu überhaupt etwas sagen?

♥ 11. 9. 2011 ♥

 

Die erste Woche im Kinderheim

Sonntag Morgen sind wir mit dem Bus in Richtung Ladysmith losgefahren. Die 20-stündige Fahrt war (trotz der nicht funktionierenden Klimaanlage und der daraus resultierenden Innentemperatur von um die 30° C) überraschend angenehm, da die Sitze sehr breit, weich und verstellbar waren. Außerdem sind wir durch ganz viele Gegenden mit unterschiedlicher Vegetation gefahren, weshalb ich die meiste Zeit aus dem Fenster geschaut und dabei Musik gehört habe.

 

„Life is a Highway, and I want to ride it all night long!“ ♥

 

So sehr ich die Schweizer Alpen auch liebe – solche Gebirgsketten sind definitiv eine große Konkurrenz!

 

Seit einem Monat sind wir nun im Kinderheim und es ist wirklich schön hier. Auch wenn die Spannungen zwischen den schwarzen und weißen Mitarbeitern stark spürbar sind, wurden wir von allen sehr freundlich empfangen. Zu den Kindern ist einfach nur zu sagen: Es ist, als ob wir schon immer hier gewesen wären. Schon am Tag unserer Ankunft kamen uns Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren entgegen, haben uns auf Anhieb umarmt und wollten alles von uns wissen. Es ist wunderschön, sofort abgöttisch geliebt zu werden, aber auch wahnsinnig traurig, denn daran merkt man, wie sehr es den Kindern an Menschen fehlt, von denen sie zurückgeliebt werden. Obwohl die meisten Social Worker sich sehr gut um die Kinder kümmern und sie auch wirklich lieb haben, sind viele von ihnen schon etwas älter und können nicht mehr so mit den Kindern rumalbern wie es nötig wäre. Bis jetzt haben wir auch kaum Tannies (= Erzieherinnen bzw. generell erwachsene Frauen) gesehen, die mal ein Kind in den Arm nehmen – noch nicht mal die Kinder aus ihrem eigenen Haus.

Dieses Bild ist am ersten Tag entstanden, als wir gerade mit den Toddlern gespielt haben.

 

Insgesamt ist das Kinderheim mit 12 Wohnhäusern, einer Vorschule, Küche, Bücherei, Waschkammer, großer Halle, Kleiderkammer (ein ganzes Haus), den Garagen und dem Bürogebäude nochmal um Einiges größer, als ich es erwartet hatte. Christoph, Melle und ich wohnen zusammen mit Freda, der Vorschullehrerin und Fahrerin, im Haus „Utrecht“ (oder auch Haus Nr. 3).

Unser neues Zuhause – zumindest für ein Jahr!

 

Alle Häuser bestehen aus drei Teilen: der linke Teil ist der Jungentrakt, der Mittelteil gehört der Tannie und der rechte Teil ist der Mädchentrakt – zumindest war es bis vor Kurzem so. Da dadurch aber besonders die Tannies der älteren Häuser keine ruhige Minute mehr hatten und anfingen unter chronischem Schlafmangel zu leiden, gibt es seitdem Jungen – und Mädchenhäuser. Nur im Babyhaus (0 – 3 Jahre, Haus Nummer 11), im Toddlerhaus (4 – 6 Jahre, Haus Nummer 10) und im „Special Needs“-Haus (alles Altersstufen, Haus Nummer 9) gilt noch das alte System. Die übrigen Häuser sind teilweise nicht nur nach Geschlecht sondern auch nach Rassen getrennt. Die Aufteilung ist wie folgt:

Haus Nummer 1: Zulujungs (erste bis siebte Klasse)

Haus Nummer 2: Zulumädchen (achte bis zwölfte Klasse)

Haus Nummer 4: Zulumädchen (erste bis siebte Klasse)

Haus Nummer 5: Afrikaans-und Colouredmädchen (erste bis siebte Klasse)

Haus Nummer 6: gemischtes Jungshaus (achte bis zwölfte Klasse)

Haus Nummer 7: Afrikaans-und Colouredjungs (erste bis siebte Klasse)

Schon zu Beginn waren die Spannungen unter den Kindern deutlich spürbar, im Laufe der Zeit haben auch wir so einige Bemerkungen fangen dürfen. Wenn sich die Afrikaans- und Colouredkinder beim Fußball spielen weigern mit den Zulujungs zu spielen („Die sind immer total gemein!“), so ist das ja schon schlimm genug. Den anderen beiden ist es aber auch schon passiert, dass ein Kind zu ihnen gesagt hat „Ich will keine weißen Gesichter mehr in meinem Raum sehen!“ oder „Flieg bitte wieder nach Deutschland zurück!“ – da fällt einem dann erst einmal die Kinnlade runter. Mir ist das Gott sei Dank noch nicht passiert (reines Glück!), aber dafür rutscht den Kindern hier noch so manch anderes raus wenn sie gerade sauer sind.

Unsere erste Woche hier war wirklich schön. Vor allem zu den weißen Kindern hatten wir von Anfang an einen guten Draht, da sie uns gegenüber am Offensten waren. Haus Nummer 5 hat mich sofort zum Kuscheln und Disneylieder singen gebucht, sodass ich am Anfang sehr häufig dort war. Außerdem haben wir einen ziemlich lustigen Abend damit zugebracht, mit zwei der älteren Jungs Anmachsprüche und „deine Muddah“-Witze auszutauschen – zumal es hier auch noch „dein Haus“-Witze gibt. Seitdem habe ich einen neuen Lieblings-Anmachspruch!^^ Der eine hat meinen Schuh aufgemacht, daraufhin hat sich der andere hingekniet und gefragt: Can i tie your shoelaces?“ – „Why?!“ – „Because I don’t want you falling for someone else“….Wir fanden das Ganze superlustig, bis einer der beiden zugegeben hat, dass er solche Sprüche wirklich manchmal bringt! Gott sei Dank sind Melle und ich in festen Händen und Christoph nicht schwul.🙂 Übrigens gibt es auf dem Gelände auch ein Trampolin, wo sich das Leben draußen hauptsächlich abspielt. Einer der jüngeren Jungs hat ein unglaublich beeindruckendes Körpergefühl (sieht man unter anderem am doppelten Salto) und es ist schade zu wissen, dass dieses Potential wahrscheinlich nie gefördert werden kann, da es hier keine Sportvereine im klassischen Sinne gibt sondern alles über die Schule abläuft.

Der Innenhof des Kinderheims! Hinten links sieht man das Trampolin, dahinter befindet sich die Bibliothek (Diejenigen von euch, die schon mit mir geskypt haben, kennen sie auch von innen!) Das Gebäude mit der gelben Umrandung ist die Vorschule, daneben ist ein überdachter Grill und im Vordergrund sieht man den kleinen „Spielplatz“. Auf der großen Fläche in der Mitte wird hauptsächlich Fußball, Netball und Rugby gespielt, wobei die Kinder grundsätzlich barfuß laufen. Angesichts der riesigen Hundehaufen, die scheinbar nie weggemacht werden, bin ich voller Bewunderung, dass die Kinder da nie reinlaufen.

 

In der ersten Woche mussten wir noch nicht arbeiten, hatten aber andauernd irgendwelche Meetings – die Südafrikaner lieben Meetings! Am Donnerstag war unser erstes „Staffmeeting“. Die Spannungen zwischen weißem und schwarzem Personal waren sehr gut zu erkennen, da die Sitzordnung klar zwischen weiß und schwarz trennte. Selbst wenn in der weißen Ecke noch ein Platz frei war, hat sich die schwarze Tannie den Stuhl von dort genommen und sich noch zu den anderen Schwarzen gequetscht. Dazu sollte man wissen, dass hier die meisten Leute so um die 90 – 120 Kilo wiegen, sodass es schon eine ziemliche Leistung ist, wenn an einem für drei Leute gedachten Tisch auf einmal sechs Personen sitzen. Nur Meghan und Cryzelle (soweit ich weiß beide Coloured) saßen mitten zwischen den Weißen – allerdings sind das auch mit Abstand die jüngsten, unverkrampftesten und lustigsten Mitarbeiter hier – zumal sie beide Afrikaans als Muttersprache haben. In diesem Meeting wurden wir also offiziell vorgestellt, woraufhin gleich nach dem Meeting Tannie Petro auf uns zukam und ganz besorgt meinte, wir seien doch noch Babies, die in die Arme ihrer Mutter gehörten und hier überhaupt nichts zu suchen hätten.🙂 Dazu muss man wissen, dass es sich hierbei um die (mit Abstand) strengste Tannie handelt, die aber zu unseren absoluten Lieblingstannies gehört. In dieser Woche hatten wir auch eine kleine Rundfahrt in Ladysmith, wo uns sämtliche Kirchen (man erinnere sich: es gibt Kirchen wie Smarties!), Schulen und ähnliche offizielle Gebäude wie z.B. der Pick ’n Pay (= Rewe) gezeigt wurden. Diese Rundfahrt hat uns allerdings in sofern wenig genutzt, als dass wir nur mit den weißen Leuten rumgefahren sind, die uns dann bei jeder zweiten Straße mitteilten, dort dürfe man nicht langgehen, dass sei gefährlich. Außerdem werde andauernd jemand beklaut, vergewaltigt, entführt und ermordet…Auch die „schwarze Mall“ wurde uns untersagt, allerdings geht Tannie Petro mit ihren min. 100 Jahren auch dorthin, weshalb es ja nicht so gefährlich sein kann. In den nächsten Wochen wurde allerdings schnell klar, dass das hauptsächlich anfängliche Abschreckmaßnahmen gewesen waren, die sich ganz schnell relativierten, wenn man mal ein bisschen nachhakte. Freitags hatten wir dann eine Art „Babyshower“, womit wir uns auch schon wieder von Cryzelle verabschieden mussten (Sie war damals im 8. Monat schwanger und das Baby ist mittlerweile schon da!). Sie fand die ganze Sache ziemlich blöd, weil Meghan zu der Zeit gerade nicht da war und sie sich ohne ihren besten Freund total unwohl gefühlt hat – zumal wir im Halbkreis um sie rumsitzen sollten. Damit sie sich besser fühlt habe ich mich zu Beginn neben sie gesetzt und mich mit ihr unterhalten. Blöde Idee, denn im Endeffekt musste ich ebennfalls eine Stunde lang in der Mitte des Halbkreises sitzen und Meghan-Ersatz spielen. Allerdings fiel es mir etwas schwer, den leicht übergewichtigen Farbigen gut zu imitieren.

Am darauffolgenden Tag veranstaltete die Dutch Reform Church ihren alljährlichen Basar. Die Kinder, die diese Kirche besuchen, bekamen von der Gemeinde jeweils einen Gutschein im Wert von 30 Rand (= 3 €) und ersteigerten dafür allen möglichen furchtbaren Krimskrams. Doch nicht alle kauften nur Süßigkeiten.. manche der Kinder gaben ihr ganzes Geld für ein Geschenk für ihre Mutter aus (z.B. für eine Topfpflanze). Es ist rührend und auch erschreckend zu sehen, wie sehr die Kinder an ihren Eltern hängen. Auch wenn sie zuhause häufig mishandelt wurden – es ist immer noch ihr Zuhause und so sehr die Mitarbeiter sich auch darum bemühen – das Kinderheim ist wirklich schwer als Zuhause anzusehen.


Eins unserer Kinder singt auch im Chor der Dutch Reform Church. Die Dutch Reform Church hatte lange Zeit das Vertrauen ihrer Mitglieder verloren, da sie zur Zeit der Apartheid predigte, dass die Apartheid von Gott gewollt und deshalb keine Sünde sei. Später haben sie sich dafür zwar entschuldigt, aber das Vertrauen der Mitglieder in ihre Kirche ist nicht mehr so bedingungslos wie es mal war.

Unser Bus auf der Rückfahrt und die Afrikaans- und Colouredmädchen aus Haus Nr. 5!

 

Am Sonntag kam dann das Highlight der Woche. Wir sind mit Reverend Schumann eine Stunde lang nach Escourt gefahren, um dort an einem Zulugottesdienst teilzunehmen. Dieser Gottesdienst war bis jetzt der schönste Gottesdient, an dem wir teilgenommen haben – und das, obwohl er drei Stunden dauerte. Es wurde sehr viel gesungen und getanzt, sodass einem trotz der fehlenden Heizung und einem wirklich kalten Morgen schnell warm wurde. Neben uns saß eine sehr liebe junge Frau in einem roten Mantel, die ihr Gesangbuch und ihre Bibel mit uns geteilt hat. Da die Ausprache vom Zulu (abgesehen von den Klicklauten) dem Deutschen sehr ähnelt, konnten wir problemlos mitsingen – auch wenn wir natürlich keine Ahnung hatten, was wir da sangen. Auch die Predigt einer sehr emotionalen Frau, die sich über eine halbe Stunde hinzog, war nicht zu verstehen. Da sie aber die Hälfte der Zeit weinte, schniefte und Gott anrief, war das auch nicht weiter schlimm. Die junge Frau neben uns hatte uns wohl mittlerweile ins Herz geschlossen, weshalb sie uns eine besonders große Freude machen wollte. Sie hatte einen Lolli für ihren Sohn mitgebracht, aber jetzt waren wir ja auf einmal drei Kinder. Das war allerdings kein Problem für die Zulumama, denn sie begann daraufhin Stückchen vom Lolli abzunagen um sie uns dann freudestrahlend auf das (dem Zustand nach zu urteilen seit Generationen weitervererbten) Gesangbuch zu legen. Diese süße Geste konnten wir auf keinen Fall abblocken, weshalb wir dann allen medizinischen Vorwarnungen zum Trotz ein Stückchen Lolli nahmen – um den Rest dann ihrem Sohn zurückzugeben. Abgesehen von dieser wundervollen, wenn auch etwas unappetitlichen Geste war der Höhepunkt des Gottesdienst die Kollekte. Im Gegensatz zu den Kirchen in Deutschland (und auch allen anderen Kirchen hier in Südafrika) wurde die Kollekte nämlich sofort ausgezählt – zu Beginn hatten wir ca. 400 Rand (= 40 €) zusammen. Damit war der Herr, der die Moderation der Kollekte übernommen hatte, überhaupt nicht zufrieden, weshalb er zu einer erneuten Spendenrunde aufforderte. Nach einer halben Stunde waren wir bei 700 Rand angekommen und als wir die Frau neben uns fragten, was denn sein Ziel wäre, sagte sie: „Er möchte 1000 Rand (= 100 €) sammeln.“ – und dieses Ziel hatten wir dann nach einer weiteren halben Stunde auch endlich erreicht. Die ganze Kollekte war so organisiert, dass es eine Art Wettbewerb zwischen Frauen, Männern und Kindern gab. Die einzelnen Gruppierungen gingen immer wieder unter dem Gesang der Anderen nach vorne und warfen ihr Geld auf den Tisch, wo es dann direkt gezählt wurde. An diesem Tag haben wunderbarerweise die Frauen gewonnen! Es war bewegend zu sehen, wie viel die relativ armen Menschen zu geben bereit waren, selbst wenn es einige Zeit dauerte.

Generell hatten wir eine wunderschöne erste Woche mit vielen neuen Eindrücken! Es tut mir leid, dass dieser Eintrag erst jetzt kommt, aber die letzten Wochen waren geprägt von neuen Dingen und ich brauchte erst einmal etwas Zeit, alles zu verarbeiten. Ich werde mich hoffentlich bessern! Ich freue mich jederzeit, etwas von euch zu hören! Ihr fehlt mir!

Robben Island (20.08.)

Gestern sind die Freiwilligen aus Huis vaan Heerde (Nora, Theresa und Julian, schön euch kennengelernt zu haben!) schon zu ihrem Projekt abgereist, deshalb ist es gerade ein bisschen leiser als sonst. Leider konnten wir nicht mehr alle zusammen nach „Robben Island“ fahren, aber da die Drei ja etwas näher an Kapstadt wohnen als wir, können sie das bei Gelegenheit nachholen. Gegen ein Uhr sind Melle, Christoph und ich also mit dem Boot in Richtung „Robben Island“ gefahren. Da es ziemlich windig war, waren die Wellen auf dem antlantischen Ozean dementsprechend hoch und die Bootsfahrt hat wahnsinnig viel Spaß gemacht!

 

Atemberaubender Ausblick auf ganz Kapstadt und den Tafelberg! Schade, dass es auf Fotos nie so schön aussieht wie in Wirklichkeit!

Das Bild ist etwas schepp, aber ein weiterer wunderschöner Ausblick auf Kapstadt! Diese Stadt ist wirklich rieeeeesig!

 

Leider war die Bootsfahrt ziemlich schnell zu Ende und am Ziel angekommen wurden wir sofort in einen Bus dirigiert, der uns dann eine Dreiviertelstunde lang um die Insel kutschiert hat. Robben Island ist zwar nicht gerade groß, aber man braucht als guter Läufer trotzdem gute zwei Stunden, um die Insel einmal zu umrunden. Wenn man nicht um ihren traurigen Hintergrund als Gefängnisinsel wüsste, dann wäre dieser Ort einfach ein Paradies auf Erden. Es gibt nicht nur eine Kirche und ein Hotel, sondern auch noch eine Schule, eine Moschee, ein Polizeipräsidium und mehrere Wohnhäuser.

 

Wohnhäuser auf Robben Island. Hier leben meist die Guides mit ihren Familien.

Die Grundschule: Momentan besuchen ca. 18 Kinder die erste Klasse. Ab der weiterführenden Schule müssen sie jeden Morgen aufs Festland fahren.

Das Gästehaus: Hier hat schon Nelson Mandela bei seinen mehrfachen Besuchen geschlafen.

Selbst das ehemalige Gefängnis ließe sich leicht für ein Feriendomizil halten, wären da nicht die Zäune und die gedrückte Stimmung. Bevor ich aber zum Gefängnis komme, erst einmal zur Rundfahrt. Ich hatte nicht erwartet, dass auf „Robben Island“ tatsächlich noch so viele Menschen leben! Auch die Landschaft ist wunderschön und man hat definitiv den besten Blick auf den Tafelberg, den es gibt! Das Bewegendste auf der Busfahrt war dieser Ort:

 

Limestone Quarry - Dort mussten politische Häftlinge und „maximum security prisoners“ wie Nelson Mandela und seine Mitgefangenen bei sengender Hitze und unter direkter Sonneneinstrahlung teiweise bis zu 12 Stunden arbeiten. Mal abgesehen von den schädlichen Auswirkungen auf Lunge und Augen (aufgrund der starken Sonneneinstrahlung ist Nelson Mandela heute stark sehgeschädigt) hatte der Abbau des Kalksteins keinen anderen Nutzen als die körperliche Schwächung der Gefangenen.

 

Nach der Busfahrt wurden wir am Gefängniseingang von einem ehemaligen politischen Häftling abgeholt, der zu Zeiten der Apartheid 5 Jahre auf Robben Island verbracht hat. Es war sehr beeindruckend, einen Zeitzeugen kennenzulernen, und der ältere Mann konnte sich vor lauter Fragen kaum retten. Natürlich könnte ich hier jetzt die Geschichte von Robben Island nacherzählen, aber wenn ihr euch dafür interessiert, dann könnt ihr sie gerne auf dieser Seite nachlesen: Robben Island Homepage. Ich werde jetzt allerdings Bilder für mich sprechen lassen:

 

Die Gefängnisblöcke von außen. Befände sich nicht vor jeder Tür eine Sicherheitstür aus Eisenstangen mit überdimensionalem Schlüsselloch, könnte man das Ganze glatt für eine Ferienanlage halten.

 

Blick vom Eingang des Blocks in Richtung Gefängnisflur.

 

Blick in einen Gemeinschaftsraum. Hier befanden sich die weniger „gefährlichen“ Insassen. Die Anderen wie z.B. Nelson Mandela wurden im untenstehenden Gebäude in Einzelhaft gehalten.

 

Eines dieser Fenster führt zu Mandelas Zelle – die sich in nichts von den anderen Einzelzellen unterschied.

 

Die Gefängnisküche. Jene politischen Gefangenen, die dort arbeiteten, waren für ihre jeweilige Partei von größter Bedeutung, da im Essen Nachrichten versteckt wurden, die das politsche Leben im Gefängnis koordinierten. Dabei mussten die Gefangenen sehr vorsichtig sein, um nicht von den Gefängniswärtern oder auch den wirklich Kriminellen erwischt und möglicherweise erpresst oder verraten zu werden.

 

 

Zu Zeiten der Apartheid gab es selbst im Gefängnis für die verschiedenen Rassen verschiedene Essenspläne.

 

Einer der Gefängnistürme. Die Mauern wurden erst nachträglich gebaut, um jegliche Kommunikation zwischen den verschiedenen Blogs zu unterbinden.

 

Bett in einem Einzelzimmer.

 

Eine der bewegenden Geschichten, die in den Zellen hingen. Auch im oben beschriebenen „Limestone Quarry“ wurde auf diese Art und Weise Wissen weitergegeben.

 

Der Blick in Richtung Freiheit.

 

Nach der Führung durch das Gefängnis mussten wir leider wieder zum Schiff zurück und hatten keine Zeit mehr, uns auf eigene Faust mal umzuschauen. Auch die Pinguine konnten wir nicht mehr sehen, obwohl sich auf Robben Island eine der größten Pinguinkolonien Südafrikas befindet (Tut mir leid, Fynn, ich hätte gerne ein paar Fotos für dich gemacht). Als wir so gegen 17 Uhr wieder bei der Waterfront waren, sind wir das letzte Mal am Meer entlang zu unserem Hostel gelaufen.

 

Eine Palme, extra für Ellen!

 

 

Wunderschönes Foto vom Fußballstadion und dem Tafelberg – danke Melle und tschüss Kapstadt!


 

19.08. Townshiptour

Heute haben wir eine Townshiptour gemacht, die wir alle sehr unterschiedlich wahrgenommen haben. Zuerst waren wir im „District Six Museum“ und ich hatte – wie immer – nicht genug Zeit um es mir komplett anzuschauen (Wer schafft schon in 20 Minuten ein ganzes Museum?). Es war aber trotzdem sehr interessant, um die Vorgeschichte der Townships zu verstehen. Für euch hier nun kurz und knapp: Zu Beginn der Apartheid lebten im District Six hauptsächlich Schwarze und Colourds. Als den Weißen dann auffiel, wie schön es dort war, mussten die ursprünglichen Bewohner ihre Häuser verlassen und bis auf wenige Gebäude wurde alles zerstört. Die Weißen bauten sich eigene Häuser und so wurde der alte Stadtteil durch einen neuen ersetzt. Um nicht auf der Straße leben zu müssen, siedelten die Schwarzen und Colourds sich um die Stadt herum an. Da ihre alten Häuser zerstört waren und sie keine wirkliche Entschädigung bekommen hatten, verwendeten sie alle Materialen, die sie finden konnten – so sind die Townships entstanden, wie wir sie heute kennen.

Nach dem Museumsbesuch sind wir in das älteste Township Kapstadts namens Langa gefahren. Es war früher ein Township für Schwarze, da Schwarze, Colourds und Asiaten zur Zeit der Apartheid in verschiedenen Townships leben mussten. Heute dürfen sie sich zwar vermischen, aber die meisten Leute bleiben lieber bei ihrer eigenen „community“. In Langa sind wir dann durch das Township gelaufen und es war ziemlich bedrückend. Zwar befinden sich in den Townships mehr „echte“ Häuser als gedacht, aber es ist trotzdem traurig zu sehen, dass gleich dahinter die Wellblechhütten beginnen. Das liegt daran, dass in einem von der Regierung erbauten Haus meist viel mehr Menschen leben, als eigentlich hineinpassen. Kommen dann noch Verwandte oder weitere Kinder dazu, wird es in dem Haus (bestehend aus Bad, Küche und einem Zimmer) zu eng. So entstehen dann die Hütten hinter dem Haus, die in diesem Fall hauptsächlich zum Schlafen genutzt werden. Natürlich gibt es aber auch viele Familien, die nur in den Wellblechhütten leben.

Die oben beschriebene Situation „von hinten“ fotografiert. Im Hintergrund sieht man die Dachziegel der echten Häuser.

Mal abgesehen von den Wellblechhütten leben selbst in den von der Regierung finanzierten Häusern in einem Zimmer bis zu 15 Personen. Falls ihr mein Zimmer zuhause kennt – so groß ist ein Zimmer in einem dieser Häuser.

Auf der linken Seite des Bildes kann man ein renoviertes Haus sehen, dass von der Regierung gebaut wurde. Rechts befindet sich genau das gleiche Haus, nur dass es noch nicht renoviert wurde. Da die Monatsmiete im renovierten Gebäude 300 Rand (= 30 €), die im anderen nur 20 Rand (= 2 €) kostet, können es sich viele Familien noch nichtmal leisten, in die besser ausgestatteten Häuser umzuziehen.

Am schlimmsten fand ich allerdings, dass wir uns vorkamen wie im Zoo. Auch wenn die Leute uns immer wieder versichert haben, dass es ihnen nichts ausmacht, wenn wir einfach so in ihr Zuhause laufen, Fotos machen und wieder gehen, habe ich mich sehr unwohl gefühlt. Leider hatten wir auch nicht genug Zeit, um uns wirklich mit den Bewohnern des Townships zu unterhalten, da unser Guide ziemlich unter Zeitdruck stand und somit mehr als Smalltalk nicht möglich war, bevor es schon weiter zum nächsten Haus ging. Gegen Ende unserer Besichtigung von Langa waren wir noch im Township-Pub. Dieser „Pub“ ist eine aus Holzlatten zusammengenagelte Hütte mit Zeltplane als Dach, worin auch gleichzeitig die lokale Bierbrauerei war. Das Bier sah aus wie aufgeschäumte Milch und wurde in einem ca. 3 Liter fassenden Kessel „serviert“, hat aber ganz gut geschmeckt.

Die „Bierbrauerei“: In einem komplizierten Prozess wird das sogenannte „Umqombothi“ (= Maisbier) gebraut. Die beiden abgebildeten Frauen pressen gerade die Flüssigkeit aus dem Mais, was erst kurz vor Ende das ganzen Prozesses gemacht wird. Das die Damen ihre Hände auch zum Feuer anmachen oder Geld entgegen nehmen benutzen ohne sie danach zu waschen, ignoriert man am besten einfach.😉

Damit war unsere Führung in Langa dann auch schon zu Ende…erst hinterher haben wir erfahren, dass unser 19-jähriger Guide für seine Arbeit kein Geld bekommt, weil er erst ausgebildet wird – sonst wäre das Trinkgeld bestimmt um Einiges großzügiger ausgefallen.

Anschließend sind wir dann nach Khayelitsha gefahren, was mit über einer Million Einwohnern das größte Township Kapstadts ist. Der Kabelsalat der legalen und illegalen Stromnetze sieht aus wie ein riesiges Spinnennetz, dass sich wenige Meter über den Hütten kilometerweit hinzieht. Auf dem Weg dorthin hat uns unser Fahrer erzählt, dass viele Jugendliche in den Townships es zwar bis zum Highschool-Abschluss schaffen, aber dann aufgrund hoher Studiengebühren, mangelnder Studienplätze und schlechter Allgemeinbildung keine Chance auf einen Universitätsbesuch haben. So sitzen sie dann ab dem Alter von 18, 19 Jahren so wie der Rest der Familie als einer der vielen Arbeitslosen (in Khayelitsha vermutlich über 50%) rum und haben den ganzen Tag nichts zu tun. Die Folge ist häufig Frustration, Alkoholmissbrauch und dadurch entsteht dann die hohe Kriminalitätsrate. In Khayelitsha haben wir dann ein Musterbeispiel von Eigeninitiative, Kreativität und Nächstenliebe kennengelernt. Dieses kleine Projekt, was mittlerweile ca. 18 „Township-Hotels“ in ganz Khayelitsha umfasst, ist letztes Jahr aufgrund des Hotelmangels während  der Weltmeisterschaft berühmt geworden. „Vicky’s Bed & Breakfast“ hat 1999 mit 2 Betten begonnen und sich mittlerweile auf 6 Betten hochgearbeitet.

Von außen sieht das Hotel aus wie die meisten Häuser in den Townships – sehr heruntergekommen und kurz vor dem Einsturz. Als wir das Haus dann betreten haben, sind uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen – denn so sehen zum Beispiel die Zimmer aus:

Zimmer Nummer 1

Zimmer Nummer 2

Zimmer Nummer 3 - Jörn, dort werden wir mal übernachten!

Eine Nacht kostet mit Frühstück und Abendessen 220 Rand (= 22 €). Die Einnahmen kommen nicht nur Vicky Ntozinis Familie zugute, sondern dem ganzen Viertel (z.B. durch eine große Weihnachtsparty u.ä.). Dadurch sind Touristen dort verhältnismäßig behütet, obwohl Khayelitsha normalerweise nicht gerade als sicheres Pflaster bekannt ist. Auch der Kindergarten nebenan wird durch das Hotel finanziell unterstützt. Trotz allem ändert das nicht daran, dass man sich immer noch im Township befindet und demnach schnell mal 30 – 40 Kinder in einem Raum Mittagsschlaf halten müssen – was übrigens erstaunlich gut funktioniert, wenn nicht gerade eine Horde Touristen durch das Gebäude trampelt.

Wie in einer Sardinenbüchse – immer in entgegengesetzter Richtung!

Am Ende war es dann – trotz dem Zoocharakter – ein sehr aufrüttelndes Ereignis. Die Hoffnungs – und Motivationslosigkeit, die sich bei manchen Bewohnern in den Augen wiederspiegelt, steht im krassen Gegensatz zu Vickys Hotel und den vielen „day care’s“, „primary schools“ und „high schools“, die für eine bessere Zukunft kämpfen. Beeindruckend war auch, was das Township manchen Menschen wie z.B. unserem Fahrer bedeutet. Auch wenn er es sich theoretisch leisten könnte, in eine bessere Gegend zu ziehen, bleibt er im Township und kämpft dafür, dass Langa eine richtige Stadtstruktur aufbaut. Auch viele wohlhabende Menschen, die aus den Townships kommen, bleiben am Rand der Townships leben, bauen dort ihre (teils ziemlich großen) Häuser und unterstützen so weiterhin ihr Zuhause. Leider war der eine Besuch nicht mal annähernd lange genug, um eine Möglichkeit zu finden die Menschen vor Ort bei ihren Bemühungen zu unterstützen, aber Melle und ich werden bei unserem nächten Aufenthalt in Kapstadt sehr sicher ein paar Nächte in Vickys Hotel verbringen und dann hoffentlich mehr über die wahnsinnig komplexe Struktur der Townships erfahren.

18. 08.

Nach dem Frühstück wurden wir von einem Minibusfahrer für eine organisierte City-tour abgeholt. Zuerst einmal sind wir an der Waterfront und durch Camps Bay und Clifton gefahren. Gerne wären wir dort kurz ausgestiegen, aber das war leider nicht möglich. Danach ging es dann auch schon auf den Tafelberg, der wirklich so schön ist, wie er immer beschrieben wird. Hier einige Eindrücke, die wir festhalten konnten:

Ob man da wohl hinklettern durfte?🙂

Melle und ich

Thinking of you❤ (Ihr fehlt mir!)

Einfach nur beeindruckend!

Danach sind wir wieder in die Innenstadt gefahren und haben uns das Kapmailaienviertel, den Company’s Garden (again!) und das „South African Museum“ (iziko) angeschaut. Leider hatten wir in dem Museum nur eine halben Stunde Zeit, weshalb ich von 4 Stockwerken nur eins gesehen habe. Danach sind wir noch in eine Diamantenfabrik gefahren, was für uns Freiwillige ziemlich überflüssig war. Die beiden amerikanischen Ladys, die die Tour mit uns gemacht haben, waren da schon eher vielversprechende potentielle Kunden. Allerdings dachten die beiden auch, dass Südafrika immer noch britische Kolonie und Nelson Mandela schon verstorben ist. Sie waren also im „Diamantenshop“ eindeutig besser aufgehoben und voll in ihrem Element!

Da die Tour mit der Diamantenfabrik beendet wurde, haben wir uns wieder zurück in die Nähe des Green Market Square fahren lassen und auf die Suche nach einem Pick ’n Pay gemacht. Nur so ein kleiner Tipp, den man eigentlich schon weiß, aber gerne mal vergisst: Zeit und Entfernung einschätzen gehört nicht unbedingt zur Stärke eines jeden Afrikaners! Nach ca. einer Stunde und gefühlten 10 Kilometern waren wir endlich bei unserem Mittagessen angekommen – was es dann noch nicht mal gab. Daraufhin haben wir in einem Wurstspezialitätenladen wahlweise Schnitzel oder Bockwurst gegessen – „Experience the African Way of Life“ kann ich da nur sagen!! Der Rest des Tages war eher ereignislos, deshalb lasse ich ihn einfach mal weg und beende den heutigen Eintrag mit einer südafrikanischen Version unserer geliebten Lohrbachstraße:

Das wunderschöne Kapmalaienviertel hat mich gleich an Zuhause erinnert und ich grüße hiermit alle Lorianer🙂

Der erste Tag war eher weniger ereignisreich. Um zehn Uhr standen unsere Mentoren Frans und Liana vor der Tür und wir haben bis in den frühen Nachmittag die Themen Apartheid, ihre Auswirkungen auf das heutige Südafrika und Generelles über das Leben hier erfahren und diskutiert. Dabei war besonders das Thema „Kirche“ interessant. Nicht nur, dass es hier laut Frans „Kirchen wie Smarties“ gibt, sondern auch die Begeisterung, mit der die Menschen hier vom Gottesdienst sprechen. Es scheint kein Klischee zu sein, dass der Gottesdienst hier mit viel Freude, Singen und Tanzen vonstatten geht und ich freue mich schon, bald einen miterleben zu dürfen. Nachmittags waren wir dann an der Waterfront und haben uns mit dem Nötigsten versorgt. Auch wenn es am Meer sehr schön ist, ist die Waterfront kaum von irgendeinem anderen touristisch geprägten Ort auf der Welt zu unterscheiden, was natürlich unseren Hunger nach dem „echten“ Südafrika nicht wirklich gestillt hat. Trotz allem hatten wir einen schönen Nachmittag! Abends sind Nora (eine der Freiwilligen aus Moreesburg) und ich im Pool schwimmen gegangen. Auch wenn das ganze eher einem überdimensionalen Kneippbecken glich und mit viel Gekreische, Gelache und Kopfschüttel der Anderen vonstatten ging, hatten wir unseren Spaß und sind dann abends todmüde ins Bett gefallen. Mittwoch (17.08.)war dann schon ereignisreicher. Morgens haben wir wieder mit Frans und Liana diskutiert, diesmal aber über HIV, Politik, Medien und das Thema „Erste und Dritte Welt“. Danach waren wir kurz bei der Waterfront und sind dann noch zur Longstreet gefahren.

Wir Freiwilligen an der Waterfront vor dem TafelbergLiana und Frans

Die Longstreet ist so etwas wie die Touri-Fußgängerzone Kapstadts mit vielen süßen Geschäften und Restaurants. Dort in der Nähe liegen auch das „Green Market Square“ und der „Company’s Garden“. Besonders der Garten ist einfach wunderschön, auch wenn die Eichhörnchen ziemlich aufdringlich sind.

Einer der Stände auf dem „Green Market Square“! Ich hatte viel Spaß beim Handeln und habe einige schöne Dinge für euch entdeckt🙂 Lasst euch überraschen!!Armes Albino-Eichhörnchen!Ein Foto extra nur für Omi und Grosi! Es gab wirklich wunderschöne Blumenbeete, wo immer ein kleines selbstbemaltes „Bitte nicht betreten“-Schildchen drinsteckte.

Danach haben wir noch ein bisschen die Gegend erkundet, wobei wir zwei bemerkenswerte Entdeckungen gemacht haben:
Erstens waren wir einkaufen. Dabei habe ich etwas gefunden: ES GIBT HIER CRUNCHIES! Mami – und auch Ellen-, ich werde euch ganz viele mitbringen! Und zweitens haben wir das hier mitten in Kapstadt gefunden:

Dieses Stück der Berliner Mauer wurde Kapstadt als Geschenk im Andenken an den Besuch Nelson Mandelas in Berlin im May 1996 übergeben und wir haben ziemlich blöd geschaut, als es plötzlich in einer Seitenstraße vor uns stand!

Zurück im Hostel haben wir Freiwilligen zusammen gekocht. Wir verstehen uns alle sehr gut, weshalb unglaublich viel gelacht wurde.

Das ist kein gestelltes Bild, ich habe wirklich mitgeholfen und es hat TROTZDEM geschmeckt!)